Rückblick - Geschichte des Mathematik-Wettbewerbes des Landes Hessen
1. Start im Schuljahr 1968/69
'Im Jahre 1969 wird im Lande Hessen zum ersten Male ein
Mathematik-Wettbewerb in den allgemeinbildenden Schulen durchgeführt, um
Freude und Interesse am Mathematikunterricht zu fördern. Dieser
Wettbewerb gibt allen Schülern Gelegenheit, ihre Fähigkeiten und
Kenntnisse in einem größeren Rahmen zu vergleichen.....'
Mit diesen Sätzen beginnt der Erlass vom 30. 10. 1969, der die erstmalige
Durchführung eines Landeswettbewerbs in Hessen ermöglichte; damit waren die
Voraussetzungen für einen inzwischen bereits zum 25. Male erfolgreich
durchgeführter Wettbewerb geschaffen. Bevor jedoch die 1. Runde dieses
Wettbewerbs gestartet werden konnte, waren umfangreiche Planungen erforderlich,
gab es doch keinerlei Erfahrungen mit Wettbewerben, die sich an Schülerinnen und
Schüler unterschiedlicher Schulformen wenden.
Obgleich nicht alle genannt werden können, die mithalfen, diese schwierige
Planungsphase erfolgreich abzuschließen, so sollte doch darauf hingewiesen
werden, dass die Anregung zu diesem Wettbewerb von Frau Dr. Hamm-Brücher,
damals Staatssekretärin im Hessischen Kultusministerium, kam. Frau Dr. Kipper,
Ministerialrätin im Hessischen Kultusministerium, hatte die Leitung der
Planungsarbeiten übernommen und durch viele Anregungen und vor allem auch durch
ihr Verständnis für die Vorschläge der beteiligten Kollegen in besonderer Weise
mitgeholfen, diesen Wettbewerb zu ermöglichen.
Viele der Kollegen, die zu den Mitgestaltern des Wettbewerbs zählen, haben
als Mitglieder des Aufgabenausschusses über Jahre hin einen entscheidenden
Beitrag zum Gelingen des Wettbewerbs geleistet. In besonderem Maße gilt dies für
diejenige, die als erste mit der Leitung der Organisation des Wettbewerbs
beauftragt wurden:
Herr Prof. Dr. W. Kuhn, damals Leiter des Hessischen Instituts für
Lehrerfortbildung in Frankfurt und
Herr OStD Wolfgang Merz, damals Max-Planck-Schule Rüsselsheim.
Herr Merz hat diese Aufgabe über die schwierige Anlaufphase des Wettbewerbs
hinaus bis zum Ende des Schuljahres 1973/74 ausgeübt. Als Mitglied des
Aufgabenausschusses hat er anschließend noch entscheidende Impulse für die
Wettbewerbsgestaltung gegeben.
Sicherlich wäre der Wettbewerb ohne die Mitwirkung zahlreicher Kolleginnen
und Kollegen, die jedes Jahr die Schülerinnen und Schüler auf diesen Wettbewerb
vorbereiten sowie die Durchführung der drei Wettbewerbsrunden an den Schulen
übernehmen und dadurch erst die Realisierung dieses Wettbewerbs ermöglichen,
nicht durchzuführen. Dies gilt auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Hessischen Instituts für Lehrerfortbildung.
Die Verwaltung der notwendigen Haushaltsmittel (Fahrtkosten, Korrekturkosten,
Preise, Druckkosten) erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Wettbewerbsbeauftragten.
Ohne eine positive Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern wäre es nicht
gelungen, diesen Wettbewerb zu einer festen Einrichtung hessischer Schulen
wachsen zu lassen. Dies gelang auch dank der Unterstützung den dieser Wettbewerb
bei den Eltern findet. Jedes Jahr sind Eltern bereit, auftretende
organisatorische Schwierigkeiten überwinden zu helfen.
2. Organisationsform des Wettbewerbs
Die Organisationsform wurde im Laufe der Wettbewerbe mehrmals
verändert. Die derzeitige Form ergibt sich aus dem Erlass vom 15. 12.
2000. Der 38. Wettbewerb (Schuljahr 2005/2006) wird gemäß Erlass vom 15.7.2005
durchgeführt.
Der Mathematik-Wettbewerb wird für die Schülerinnen und Schüler im 8.
Schuljahr aller hessischen allgemeinbildenden Schulen durchgeführt; er wird für
drei Aufgabengruppen, die Schülerinnen und Schüler werden je nach der besuchten
Schulform bzw. des besuchten Kurses diesen Gruppen zugewiesen, ausgeschrieben
und erstreckt sich über drei Runden. In jeder Runde wird eine 90-minütige
Klausur geschrieben. Ab dem 33. Wettbewerb ist die verbindliche Teilnahme aller
Schulen vorgesehen. Ab dem 38. Wettbewerb erfolgt eine Benotung. der Wettbewerb
ist die im 8.Schuljahr zu schreibende Vergleichsarbeiit.
Die erste Wettbewerbsrunde wird in Form einer Klassenarbeit mit zentraler
Themenstellung geschrieben und von der jeweiligen Lehrkraft korrigiert. Die
Ergebnisse werden benotet. Für die Benotung gilt landesweit ein einheitlicher
Maßstab. Eine Wiederholung der Arbeit findet nicht statt. ( vergl. Erlass vom
15.7.2005)
Die Sieger der 1. Runde, jeweils einer für jede Gruppe von 30 Schülern des
Jahrganges, sind für die 2. Runde (ca. 2000 Teilnehmer) startberechtigt, die auf
Kreisebene ausgetragen wird. Die Bestplatzierten auf Kreisebene (Rang 1 und 2,
bei größeren Kreisen auch Rang 3) der drei Aufgabengruppen nehmen an der
Endrunde ( ca. 170 Teilnehmer) teil. Diese wird an vier zentralen Orten -
Wiesbaden, Gießen, Hanau und Kassel - ausgetragen.
Die Entscheidung über die jeweils 6 Erstplatzierten der 3. Runde jeder
Aufgabengruppe trifft eine vom Hessischen Kultusminister einberufene Jury.
3. Preise
Obgleich bei einem mathematischen Wettbewerb die Auszeichnungen nicht im
Vordergrund stehen sollten, so sind sie doch ein öffentlich sichtbares Zeichen
der Anerkennung für die von den besten Schülerinnen und Schülern erbrachten
Leistungen. Die Siegerinnen und Sieger der 1. Runde und 2. Runde werden durch
eine Urkunde des Hessischen Kultusministers geehrt. Die Landesbesten werden zur
Landessiegerehrung in das Hessische Kultusministerium eingeladen und erhalten
neben einer Urkunde und einem Buchpreis noch einen Geldpreis zwischen 50 € und
400 €.
Neben diesen durch Erlass geregelten Preisen gibt es für die meisten noch
zusätzlich Preise, die die Schulen, Schulelternbeiräte oder Sponsoren zur
Verfügung stellen.
4. Aufgaben
Bei der Aufgabenformulierung für die ersten Wettbewerbe ging man von 6
Aufgaben aus, die jeweils von allen Teilnehmern zu bearbeiten waren. Diese
Aufgaben unterschieden sich sowohl hinsichtlich der erforderlichen
Bearbeitungszeit als auch des Schwierigkeitsgrades. Ab dem 6. Wettbewerb wurde
die Unterscheidung von Pflicht- und Wahlaufgaben vorgenommen.
Ab dem 33. Wettbewerb sind in der ersten Runde acht Pflichtaufgaben (jeweils
3 Punkte) und zwei von fünf Wahlaufgaben (jeweils 12 Punkte) zu bearbeiten. Die
Pflichtaufgaben beziehen sich dabei i.w. auf den Unterricht des 7. Schuljahres.
Es ist sichergestellt, dass alle Schülerinnen und Schüler die im Pflichtbereich
angesprochenen Probleme bearbeiten können. Die Wahlaufgaben enthalten
unterschiedliche Probleme aus den Themengebieten der 8. Jahrgangsstufe, so dass
der einzelne Teilnehmer, je nach Unterrichtsplanung, Aufgaben auswählen kann,
die einen direkten Bezug zum Unterricht haben. Einige der Wahlaufgaben haben
keinen unmittelbaren Bezug zum Unterricht, sie besitzen meistens einen besonders
hohen Aufforderungsgehalt.
In den zweiten und dritten Runde sind jeweils vier von sieben Wahlaufgaben zu
bearbeiten.
5. Formulierung von Wettbewerbsaufgaben
Die Auswahl und die Formulierung der Wettbewerbsaufgaben erfolgt unter
Beachtung folgender Gesichtspunkte:
- Der Aufgabentext muss eine klar erkennbare Fragestellung enthalten, ein
motivierender Einstieg weckt immer die Neugierde der Schülerinnen und
Schüler.
- Der Aufgabentext darf nicht zu komplex sein, es stehen nur etwa 20 Minuten
Bearbeitungszeit pro Aufgabe zur Verfügung.
- Die Problemstellung darf keine unnötigen neue Begriffsdefinitionen
enthalten, so dass der Text von allen klar zu verstehen ist. Die Probleme
sollten der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler entnommen werden.
- Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben soll angemessen sein und eine
erfolgreiche Bearbeitung ermöglichen. Dies bedeutet jedoch, dass eine
geeignete Wettbewerbsaufgabe stets Fragen unterschiedlicher
Schwierigkeitsgrade enthalten muss. Eine differenzierte Fragestellung
ermöglicht eine erfolgreiche Bearbeitung der ersten Teilfragen einer
Wettbewerbsaufgabe für fast alle Schülerinnen und Schüler, so dass
Misserfolge am Anfang der Bearbeitung vermieden werden.
- Ein komplexes Problem ist so in Teilfragen zu zerlegen, dass diese
einerseits zwar unabhängig voneinander sind, andererseits sollten jedoch bei
einer erfolgreichen Bearbeitung Einsichten vermittelt werden, die das Lösen
der nächsten Teilfragen erst ermöglichen bzw. erleichtern.
- Die Wettbewerbsaufgaben müssen einen Bezug zum Unterricht haben. Die
Aufgaben sollen vertraut erscheinen, es sollte teilweise möglich sein, mit
den angelernten Rechenverfahren einen Teil der Aufgaben zu lösen; dies gilt
insbesondere für die Aufgaben der 1. Runde im Hinblick auf die Wertung der
Wettbewerbsarbeit als Klassenarbeit.
- Einige Wettbewerbsaufgaben sollten so ausgewählt sein, dass die
Problemstellungen als Ausgangspunkt von weiterführenden Fragen dienen
können. Die Wettbewerbsaufgaben sollten die Schülerinnen und Schüler auch
anregen, sich nach der Klausur mit den Fragestellungen noch zu beschäftigen,
gegebenenfalls mit Unterstützung durch den Fachlehrer.
Es ist fast selbstverständlich, dass sich diese Forderungen nicht bei allen
Wettbewerbsaufgaben in gleichem Maße verwirklichen lassen, zumal sich einige der
o.a. Forderungen offensichtlich widersprechen. Auch muss angemerkt werden, dass
sich die Wettbewerbsaufgaben der 1. Runde und die der Aufgabengruppen B und
insbesondere C stärker am Unterricht orientieren müssen, als die der Gruppe A.
Ohne eine ausführliche Begründung aller angegebenen Gesichtspunkte vornehmen zu
wollen, sollten einige genauer betrachtet werden:
Ein unmittelbarer Bezug zum Unterricht ist für einen
Klausurwettbewerb, der in der 1. Runde so viele Schülerinnen und Schüler
ansprechen will, dringend erforderlich. Einerseits soll das im
Mathematik-Unterricht Gelernte angewendet werden, die Fachlehrer haben dadurch
auch die Möglichkeit, ihre Schülerinnen und Schüler in gewisser Weise auf den
Wettbewerb vorzubereiten, wodurch die Bereitschaft gesteigert wird, daran
teilzunehmen. Andererseits wird dadurch auch garantiert, dass der größte Teil
der Teilnehmer einige Fragen mit Erfolg beantworten kann.
Komplexe Fragestellungen können in der Regel nicht innerhalb der den
Teilnehmern zur Verfügung stehenden Zeit bearbeitet werden. Demnach ist ein
solches Problem so in Teilprobleme zu zerlegen, dass wenigstens einige in der
Lage sind, die Fragen erfolgreich zu bearbeiten. Als konkretes Beispiel möge
dazu folgende, sicherlich einigen durchaus bekannte, Fragestellung dienen:
Gegeben sind drei Parallelen, der Abstand sei beliebig. Konstruiere ein
gleichseitiges Dreieck, dessen Eckpunkte jeweils auf einer der drei
Parallelen liegen.
In dieser Form ist das Problem innerhalb 20 Minuten wohl kaum von einem
Schüler des 8. Schuljahres zu lösen. Durch geeignete Vorgaben und notwendige
Konstruktionshinweisen wurde die Fragestellung so verändert, dass daraus eine
Wettbewerbsaufgabe für die 3. Runde der Aufgabengruppe A wurde. Erwähnenswert
ist auch der Spezialfälle zu beweisende Satz von Pick. Zunächst werden
zwei Spezialfälle betrachtet (Rechteck, Dreieck), erst dann wird der Beweis der
Verallgemeinerung verlangt. Ohne die Betrachtung der Spezialfälle wäre dieses
Problem als Wettbewerbsaufgabe nicht geeignet.
Ein motivierender Einstieg kann sicherlich erreicht werden,
wenn man Aufgaben anbietet, die besonders oft im Unterricht behandelt wurden.
Hierbei ist jedoch weniger die Fragestellung als das hohe Maß an Vertrautheit
mit der Problemstellung für die Wahlentscheidung der Teilnehmer ausschlaggebend.
Von diesem Aufgabentyp werden jedoch kaum weitere Impulse ausgehen können.
Dagegen bieten neuartige Fragestellungen, die sich mit den Schülern vertrauten
Sachverhalten, Objekten oder Spielen beschäftigen, einen optimalen Einstieg.
|